Allergie

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Kind mit Allergie | Bild: © Kzenon (Arne Trautmann)/Depositphotos.com

Allergien erkennen und behandeln

Immer mehr Menschen werden von Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis und anderen Allergien geplagt. Während im vergangenen Jahrhundert eine Allergie noch als seltene Erkrankung galt, kennt heute jeder mindestens einen Allergiker. Jeder dritte Deutsche ist selbst betroffen. Was ist eine Allergie? Woher kommt diese Krankheit? Gibt es wirklich eine Zunahme der Betroffenen oder sind die Menschen nur empfindlicher geworden? Wir geben einen Überblick über Ursachen, Formen, Symptome und Therapien.

Definition

Eine Allergie stellt eine Überreaktion des Immunsystems dar. Normalerweise harmlose Substanzen wie Pollen, Hausstaub, Latex, Tierhaare oder Nüsse können diese Reaktion auslösen.
Allergene gelangen über den Mund, die Nase, die Augen oder über die Haut in den Körper.

Was passiert bei einer Allergie?

Wenn der Körper fremde Substanzen aufnimmt, prüft das Immunsystem, ob es sich um Krankheitserreger handelt. Das Immunsystem befindet sich überall im Körper. Es besteht aus spezialisierten Zellen, die die Aufgabe haben, vor schädlichen Stoffen, Giften, Bakterien und Viren zu schützen.
Sobald eine Substanz als Krankheitserreger ausgemacht wird, reagiert der Körper, um diese abzuwehren. Antikörper werden produziert. Wenn ein Antikörper als Antwort auf eine als schädlich erkannte Substanz zum ersten Mal gebildet worden ist, ist die sogenannte Sensibilisierung erfolgt. Ab sofort reagiert das Immunsystem bei jedem Eintreffen dieser Substanz, dem Antigen, mit einer Abwehrreaktion.
Wenn diese Abwehrreaktion mit Krankheitsanzeichen einher geht, spricht man von einer Allergie.

Neurodermitis
Neurodermitis | Bild: © panxunbin (XUNBIN PAN)/Depositphotos.com

Wenn wirkliche Krankheitserreger, wie Viren oder Bakterien, aufgenommen werden, ist diese Reaktion des Körpers sehr wichtig. So kann sich der Körper gegen einmal überstandene Krankheiten wie Windpocken oder Masern wehren.

Wenn jedoch unschädlicher Blütenstaub oder Nüsse als Antigen wahrgenommen werden und eine Abwehrreaktion hervorrufen, ist das ausgesprochen lästig. Das Immunsystem ist durcheinandergeraten, eine Allergie liegt vor. Wer auf Blütenstaub mit Husten, Schnupfen, tränenden Augen und Kopfschmerzen reagiert, erlebt eine Abnahme der Leistungsfähigkeit und eine deutliche Verringerung der Lebensqualität.

Die Gesundheitsgefahr

Neben der Reduzierung der Lebensqualität birgt die Allergie eine Gefahr für die Gesundheit. Wenn der Körper Antikörper gegen die normalerweise harmlosen Stoffe produziert, werden Histamine ausgeschüttet. Histamine sind chemische Stoffe, die für die Verdauung und für die Erweiterung der Blutgefäße verantwortlich sind. Wenn Histamine in einer Überzahl vorhanden sind, bewirken sie allergische Reaktionen wie tränende Augen, juckende Haut, Husten oder Schnupfen.
Parallel zur Ausschüttung der Histamine wird die Produktion weiterer, Entzündungen auslösender Zellen angekurbelt. Die ständigen Entzündungen belasten den Körper stark.
Im Falle des allergischen Asthmas sind die Atemwege und die Lunge von diesen Entzündungen besonders betroffen.

Allergien sind keine Kleinigkeiten, aus unbehandelten Allergien können ernste Folgeerkrankungen entstehen. Mehr als 180.000 Menschen weltweit sterben zum Beispiel jährlich an Asthma. In Deutschland sind es mehr als 2700 Menschen.

Die Allergietypen

Allergien werden je nachdem, in welcher Form das Immunsystem reagiert, in vier Typen unterschieden.

Typ 1:

Dieser Alltergietyp ist sehr häufig. Fast 90 Prozent aller Allergien entsprechen dieser Kategorie. Er wird auch als Soforttyp bezeichnet, denn in wenigen Sekunden werden Antikörper der Sorte IgE (Immunglobulin E) gebildet und Histamine sowie weitere Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet.

Beispiele:

  • Allergisches Asthma
  • Heuschnupfen
  • Tierhaarallergie
  • Bienen- und Wespengiftallergie
  • Hausstaubmilbenallergie

Typ 2:

Der Allergietyp 2 wird auch als zytotoxischer Typ bezeichnet. Zytotoxisch bedeutet „giftig für Zellen“. In diesem Fall bildet der Körper Antikörper gegen Bestandteile körpereigener Zellen. Wenn zum Beispiel eine Bluttransfusion mit dem Blut einer falschen Blutgruppe erfolgt, kann es zur Zerstörung roter Blutkörperchen kommen. Die allergische Reaktion beim Allergietyp 2 erfolgt nach sechs bis zwölf Stunden.

Beispiele:

  • Anämie (verminderte Anzahl von roten Blutkörperchen)
  • Thrombozytopenie (verminderte Anzahl von Thrombozyten im Blut)
  • Agranulozytose (Mangel an Granulozyten im Blut)

Typ 3:

Allergien des Typs 3 sind durch die Bildung von Immunkomplexen aus Allergenen und Antikörpern gekennzeichnet, die sich im Blut frei bewegen oder in den Zellen verschiedener Organe festsetzen können. Sie werden auch als Allergien vom Immunkomplex-Typ bezeichnet.

Beispiele:

  • allergische Gefäßentzündungen
  • Serumkrankheit
  • Farmerlunge (durch hohe Staubbelastung ausgelöste Entzündung der Lungenbläschen)

Typ 4:

Allergien des Typs 4 werden auch Spätallergien genannt. Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass zwischen dem Kontakt mit dem Auslöser und dem Auftreten der allergischen Reaktion bis zu drei Tage vergehen können. Typ 4 Allergien sind nach den Typ 1 Allergien die zweithäufigste Form. Für das Entstehen der Spätallergien sind spezielle Immunzellen, die T-Helfer-Lymphozyten, verantwortlich. Diese allergenspezifischen Zellen befinden sich im Blut oder in den Lymphknoten. Sobald ein Kontakt zum Allergen entsteht, werden durch sensibilisierte T-Lymphozyten Lymphokine freigesetzt, die dann eine Entzündung hervorrufen.

Beispiele:

  • Kontaktallergien
  • Transplantatabstoßungen
  • Arzneimittelexantheme

Allergietests

Wenn der Arzt eine Allergie als Grund für die Beschwerden vermutet, wird er sich zunächst in einem ausführlichen Gespräch einen Überblick verschaffen. Zur Feststellung der allergieauslösenden Stoffe hält die moderne Medizin verschiedene Möglichkeiten bereit: Hauttests, Blutuntersuchungen und sogenannte Provokationstests.

1. Hauttests

Pricktest:

Pricktest
Pricktest | Bild: © AndrewLozovyi (Evgen Boyko)/Depositphotos.com

Die Bezeichnung geht auf das englische Wort „prick“ für „Einstich“ zurück. Beim Pricktest wird die Haut an der Innenseite des Unterarms mit verschiedenen, als Allergieauslöser infrage kommenden Substanzen, bestrichen. Danach wird die Haut leicht eingeritzt. An der Reaktion der Haut kann die allergische Wirkung durch Rötungen und Schwellungen schnell festgestellt werden.
Der Pricktest ist das Mittel der Wahl, wenn eine Allergie vom Typ 1 vermutet wird.

Scratchtest:

Sollte das Ergebnis des Pricktestes nicht deutlich genug ausfallen, kann ein Scratchtest für Sicherheit sorgen. Das Wort „scratch“ steht für „kratzen“. Beim Scratchtest werden die Allergieauslöser nach dem Auftrag auf die Innenflächen der Unterarme zusätzlich verrieben. Diese Methode verstärkt die Wirkung des Allergens und die Symptome treten bei Vorliegen einer Allergie noch deutlicher auf.

Reibetest:

Wenn eine sehr starke Reaktion auf das Allergen vermutet wird, wird auf das Anritzen der Haut beim Scratchtest verzichtet. Der allergieauslösende Stoff wird lediglich auf die Haut gerieben. Schwellungen und Rötungen der Haut sind beim Reibetest erst nach 15 bis 20 Minuten zu erwarten.

Epikutantest:

Wenn die Symptome auf eine Allergie vom Typ 4, eine Kontaktallergie, hindeuten, kann der Epikutantest für Aufklärung sorgen. Dem Patienten werden Zubereitungen ausgewählter Allergene auf dem Rücken aufgebracht. Nach 48 Stunden werden die Reaktionen begutachtet. Zeigen sich Quaddeln, Bläschen oder Rötungen, kann der Auslöser der Kontaktallergie bestimmt werden.
Verschiedene Medikamente, Substanzen aus Kosmetikprodukten, Latex sowie im Schmuck enthaltene Stoffe wie Nickel oder Kobalt gehören zu den häufigsten Auslösern einer Kontaktallergie. Sie können im Epikutantest gut nachgewiesen werden.

2. Blutuntersuchungen

Bluttest
Bluttest | Bild: © AlexLipa (Alex Lipa)/Depositphotos.com

In einigen Fällen können Hauttests nicht zum Erfolg führen. Wenn der Patient zum Beispiel an einer Hautkrankheit leidet oder die Reaktionen zu stark ausfallen könnten, gilt die Blutuntersuchung als Mittel der Wahl. Das entnommene Blut wird im Labor auf Antikörper untersucht.
Häufig werden Blutuntersuchungen auch durchgeführt, um das Ergebnis eines Hauttests zu bestätigen.

3. Provokationstest:

Beim Provokationstest wird die Substanz, die im Verdacht steht, eine allergische Reaktion beim Patienten hervorzurufen, direkt auf die Nasenschleimhaut, die Mundschleimhaut oder ins Auge geträufelt. Bei der Vermutung einer Nahrungsmittelallergie kann der Arzt die Einnahme des verdächtigen Stoffes veranlassen.
Der Provokationstest ist nicht ungefährlich. Er muss unter ärztlicher Beobachtung erfolgen.

Therapien

1. Vermeidung von Allergieauslösern

Wenn bestimmte Stoffe als Verursacher der Beschwerden erkannt wurden, gilt als oberstes Gebot für Patienten, diese Allergene zu meiden. Bei einer Nussallergie oder einer Nickelallergie kann das recht gut gelingen.
Menschen, die auf Pollen allergisch reagieren, haben kaum eine Chance, diesen in der Zeit des Pollenfluges auszuweichen. Für sie stellt die Hyposensibilisierung eine erfolgversprechende Therapieform dar.

2. Hyposensibilisierung

Bei Allergien des Typs 1 kann die Hyposensibilisierung Entlastung bringen, allerdings nicht sofort. Die Hyposensibilisierung ist eine Form der Immuntherapie. Der Körper wird Schritt für Schritt an den Allergieauslöser gewöhnt. Während der Behandlung werden dem Patienten winzige Mengen des Allergens verabreicht. Die Menge ist so gering, dass das Immunsystem noch nicht oder nur minimal reagiert. Nach und nach wird die Dosis erhöht. Ziel ist, die Toleranz des Körpers gegenüber des Allerges zu erhöhen, so dass dauerhaft weniger Symptome auftreten. Eine Hyposensibilisierung dauert durchschnittlich zwischen 12 und 24 Monaten.
Allergien auf Tierhaare, Hausstaubmilben, Insektengift und Pollen lassen sich gut mit dieser Methode therapieren.

3. Medikamentöse Behandlung

Eine Möglichkeit zur Behandlung von Allergien besteht in der Gabe spezieller Medikamente. Diese verhindern die Allergie nicht, sie reduzieren jedoch die Symptome.
Es kommen Anti-Hismtaminika, Cortison und Adrenalin zur Anwendung.

4. Alternativmedizin

Alternative Heilmethoden, wie Akupunktur oder die Gabe homöopathischer Präparate, können eine Linderung bringen. Die Methoden sind wissenschaftlich nicht begründet.

Allergien vorbeugen

In einigen Familien treten gehäuft Allergien auf. Doch Allergien werden nicht vererbt. Vererbt wird lediglich die Veranlagung.
Zur Vorbeugung von Allergien wird empfohlen, allergieauslösende Stoffe weitestgehend zu vermeiden. Bereits das Stillen trägt zur Ausbildung eines starken Immunsystems bei Kleinkindern bei. Wer auf eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise achtet, stärkt die Abwehrkräfte. Bei ersten Anzeichen von Allergiesymptomen sollen vor allem Menschen aus betroffenen Familien umgehend den Arzt aufsuchen. Umso früher die Therapie beginnt, umso größer ist der Erfolg.