Hyposensibilisierung

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Arzt führt eine Hyposensibilisierung durch | Bild: © photographee.eu (Katarzyna Białasiewicz)/Depositphotos.com

Hyposensibilisierung – die Chance auf dauerhafte Linderung

Die Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung beschreibt eine spezifische Immuntherapie. Sie eignet sich zur Behandlung von Allergien vom Typ 1, dem sogenannten Soforttyp. Insbesondere Gräser-, Pollen-, Insektengift- und Tierhaarallergien können durch diese Therapiemethode erfolgreich gelindert werden. Wie verläuft die Hyposensibilisierung? Für wen eignet sie sich? Sind Allergiker nach erfolgter Behandlung wirklich immun?

Die Hyposensibilisierung

Allergien des Typs 1 sind dadurch gekennzeichnet, dass die Symptome in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zum Kontakt mit dem Allergen auftreten. Dieser Allergietyp ist sehr verbreitet. Etwa 90 Prozent aller Betroffenen leiden an einer Allergie dieses Typs.
Allergien auf Pollen, Gräser, Schimmelpilze oder Insektengift sind typische Beispiele dafür, dass es nicht immer möglich ist, allergieauslösende Stoffe aus dem Alltag zu verbannen. Auch die medikamentöse Behandlung von Allergien führt nicht immer zum Ziel und ist aufgrund der Nebenwirkungen nicht unbedenklich. In diesen Fällen kommt die Hyposensibilisierung als Alternative in Betracht.
Während die Vermeidung und die Medikamententherapie allein die Linderung der Symptome zum Ziel haben, setzt die Hyposensibilisierung an den Wurzeln an und bekämpft die Ursache der Beschwerden.

Die Bezeichnung Hyposensibilisierung setzt sich aus den Wortteilen „Hypo“ für „weniger“ und „Sensibilisierung“ für die Abwehrreaktion des Körpers gegen ein Allergen zusammen. Das heißt, die Methode soll zu einer Verringerung der Abwehrreaktionen führen.

Bei einer Hyposensibilisierung wird der als Allergieauslöser erkannte Stoff in winzigen Mengen verabreicht. Die Mengen sind zum Anfang so gering, dass keine Reaktion des Immunsystems erfolgt. Die Dosis wird nach und nach erhöht. Langsam tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Die Allergiesymptome werden schwächer, das Immunsystem gewöhnt sich an das Allergen.
Die Hyposensibilisierung stellt eine Art Konfrontationstherapie dar.

Welche Ärzte sind die richtigen Ansprechpartner für eine Hyposensibilisierung?

Auf Allergien spezialisiert sind Fachärzte für Allergologie. Auch HNO-Ärzte und Fachärzte für Dermatologie können die Therapie durchführen.

Wie werden die Allergenextrakte verabreicht?

Die Verabreichung der Substanzen erfolgt

1. subkutan (lateinisch für „unter die Haut“)

Das Allergen wird in das Unterhautfettgewebe, meist am Oberarm, injiziert. Die subkutane Methode kommt in den meisten Fällen zum Einsatz. Die Wirksamkeit ist ausreichend bewiesen.

2. sublingual (lateinisch für „unter die Zunge“)

Das Allergen wird in Form einer flüssigen Lösung oder einer Tablette über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die Methode ist gut verträglich. Allerdings konnte die Wirksamkeit der sublingualen Hyposensibilisierung noch nicht ausreichend nachgewiesen werden. Es wird angenommen, dass die Wirkung schwächer als bei der subkutanen Therapieform ist.

Bei welchen Patienten kann die Hyposensibilisierung angewendet werden?

Die Immuntherapie wird eingesetzt, bei

  • Allergien vom Typ 1 (Soforttyp)
  • Allergenen, die sich nicht durch Verhaltensänderungen vollständig vermeiden lassen
  • starken Beschwerden
  • Erwachsenen, Jugendlichern sowie Kindern ab 5 Jahren

Bei welchen Patienten gilt die Hyposensibilisierung als ungeeignet?

Die Therapieform darf nicht angewendet werden bei

  • Kindern unter 5 Jahren
  • schwangeren Frauen
  • Patienten mit Krebserkrankungen und schweren Autoimmunerkrankungen
  • Patienten, die Betablocker einnehmen
  • Patienten mit schweren Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Patienten mit starkem Asthma

Welche Beschwerden lassen sich durch die Hyposensibilisierung therapieren?

Die Immuntherapie wird seit Jahren erfolgreich eingesetzt bei allergischem Asthma sowie bei sehr starken Allergien auf Insektengift, Hausstaub, Tierhaare, Pollen, Gräser und Schimmelpilze. Häufig sind deutliche Nebenwirkungen einer medikamentösen Therapie der Anlass zum Beginn einer Hyposensibilisierung.

Der Ablauf einer Hyposensibilisierung

Die Immuntherapie wird von einem auf Allergien spezialisierten Facharzt durchgeführt. Bei Allergien, die über das Jahr verteilt auftreten, kann jederzeit mit der Immuntherapie begonnen werden. Die Behandlung von Pollenallergien darf nicht während der Pollensaison beginnen. Es wird empfohlen, im Herbst, weit vor dem Pollenflug, anzufangen. Während der Pollensaison, muss bei der Berechnung der Menge des Allergens die zusätzliche Belastung durch den Pollenflug Berücksichtigung finden.

Ablauf:

  1. Gabe des Allergens in minimaler Dosis (Impfung unter die Haut oder Verabreichung einer Flüssigkeit bzw. Tablette)
  2. regelmäßige Wiederholung der Zuführung des Allergens mit sanfter Steigerung der Dosis
  3. Betrachtung und Beurteilung der Symptome nach jeder Behandlung durch den Mediziner
  4. Anpassung der Medikamentenmenge bei zusätzlicher Medikamententherapie
  5. Erhöhung der Dosis bis zur individuellen Höchstmenge
  6. Erreichen der Allergen-Toleranz

Nebenwirkungen

Die zur Hyposensibilisierung eingesetzten Allergenextrakte sind heute in hoher Qualität verfügbar. Früher verwendete Mittel haben starke Nebenwirkungen verursacht. Heute werden Präparate mit einer Depotwirkung verwendet, die ihre Wirkung nur langsam entfalten und für den Patienten meist gut verträglich sind.

Bei der subkutanen Gabe des Präparates innerhalb der Immuntherapie machen sich zum Teil leichte Reaktionen wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle bemerkbar. Später kann sich ein Juckreiz entwickeln. Einige Patienten klagen über eine erhöhte Müdigkeit. Nach kurzer Zeit tritt im Normalfall eine Linderung ein. In Ausnahmefällen kann es zu starken allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen. Der anaphylaktische Schock stellt einen ernsten Notfall dar. Eine sofortige Behandlung ist erforderlich.
Um Gefahren auszuschließen, müssen die Patienten zur Sicherheit nach der Behandlung mindestens 30 Minuten in der Praxis bleiben. So kann der Arzt auf unerwartete Nebenwirkungen schnell reagieren.

Bei der sublingualen Gabe des Präparates innerhalb der Immuntherapie können Symptome im Mund- und Rachenraum auftreten. Zur Vorsicht wird die erste Einnahme ärztlich überwacht. Starke Nebenwirkungen sind bei der sublingualen Therapieform sehr selten.

Wie lange dauert die Hyposensibilisierung?

Die Dauer der Immuntherapie ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Auch die Anzahl der Therapiesitzungen richtet sich nach der Art der Allergie und kann im Vorfeld nicht genau benannt werden.
Als Richtschnur gilt die Dauer von drei Jahren bei monatlichen Gaben des Allergenextraktes. In Einzelfällen kann die Hyposensibilisierung über fünf Jahre erfolgen.
Wenn sich keine oder nur noch geringe Symptome zeigen, kann die Therapie erfolgreich beendet werden.

Wer übernimmt die Kosten für eine Desensibilisierung?

Die Kosten für die Immuntherapie übernimmt in der Regel die Krankenkasse. In Einzelfällen werden zusätzliche Präparate verschrieben, so dass Zuzahlungen anfallen können.

Gelten die Patienten nach der Immuntherapie als allergiefrei?

Allergien sind bisher nicht heilbar. Die Therapie bewirkt, dass sich der Körper an die Allergieauslöser gewöhnt. Die Symptome werden durch diese langfristige Gewöhnung gemildert, zum Teil verschwinden sie ganz.