Hat Alkohol(genuss) einen Einfluss auf das Raumklima?

Veröffentlicht: | Aktualisiert:
Lesedauer: ca. 2 Minuten
Verschiedene alkoholische Getränke | Bild: © draghicich (Christian Draghici)/Depositphotos.com

Gemütlich auf der Wohnzimmercouch sitzen, schöne Musik genießen, ein Glas Rotwein oder Champagner in der Hand – Genuss pur. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob der Alkoholkonsum auch Einfluss auf das Klima im Raum haben könnte? Eine interessante Frage, die sich aus verschiedenen Perspektiven beantworten lässt. So viel vorweg: Es liegt Hochprozentiges in der Luft…

„Berauschte“ Raumluft bei Studentenparty in Maryland (USA)

Wenn mehrere Menschen zusammen in einem Raum sind und darin eine große Menge stark alkoholisierter Getränke zu sich nehmen, so kann dies das Klima im Zimmer tatsächlich beeinflussen – insofern, als die Raumluft selbst „berauscht“ wird. Dies legt zumindest ein Ereignis nahe, das sich Ende des Jahres 2017 in den USA zutrug.

Bei einer Studentenparty in Maryland (Bundesstaat an der Atlantikküste) soll es derart berauschend zugegangen sein, dass die Polizei in der Luft der Partyräumlichkeit 0,1 Promille messen konnte. Die Studenten tranken offenbar so viel Alkohol, dass selbst das Raumklima davon benebelt wurde.

Alkoholkonzentration in einem Raum mittels Testgerät nachweisbar?

0,1 Promille, das ist natürlich ein sehr niedriger Wert, der auch durch einen Messfehler zustande gekommen sein kann. Zum Vergleich: Schon wenn Sie sich nur ein kleines „Feierabendbier“ genehmigen, erreichen Sie oft einen Alkoholpegel von 0,3 Promille, allerdings nicht in der Raumluft, sondern lediglich in Ihrer Atemluft.

Alkoholtestgerät
Alkoholtestgerät | Bild: © panama7 (Serhii Palamarchuk)/Depositphotos.com

Sie müssen demnach aktiv in einen Promillemesser hineinpusten, damit das Ergebnis zustande kommt. Dass die Alkoholkonzentration in der eigenen, relativ „kompakten“ Atemluft bedeutend schneller hoch oder höher ausfällt als in der „weiten“ Raumluft, versteht sich von selbst.

So funktioniert ein Alkoholtestgerät

Nach dem hochprozentigen Genuss erfolgt in den Lungenbläschen ein Gasaustausch zwischen der ein- und ausgeatmeten Luft und dem aufgenommenen Alkohol:

  • Die eingeatmete Luft zieht den Alkohol aus dem Blut und nimmt ihn auf.
  • Beim Ausatmen gelangt die nun alkoholhaltige Atemluft nach draußen.
  • Diese ausgeatmete, alkoholgeschwängerte Luft wertet das Alkoholtestgerät aus.

Normalerweise setzt die Polizei klassische Handmessgeräte ein. Diese messen die Alkoholkonzentration in der Atemluft auf elektrochemischem Weg. Messfehler treten relativ selten zutage – bei regelmäßig kalibrierten Geräten beträgt die Fehlerquote durchschnittlich fünf Prozent. Insofern ist es wahrscheinlich, dass es sich bei den in Maryland gemessenen 0,1 Promille um einen korrekten Wert handelt, wenngleich es absolute Gewissheit nie geben wird.

In jedem Fall wirft die Erkenntnis der Studentenparty eine weitere Frage auf: Ist es möglich, sich einzig und allein über das Einatmen der Umgebungsluft zu „betrinken“?

Alkohol einatmen statt trinken – spannendes Künstlerprojekt in London

Ein spezielles Künstlerprojekt aus dem Jahr 2015 zeigt, dass Menschen tatsächlich nur durch den Aufenthalt in einem Raum mit hoher Alkoholkonzentration in der Luft beschwipst werden können. Allerdings braucht es ergänzend auch eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit, ansonsten gelingt es nicht.

„Bompas und Parr’s Alcoholic Architecture“

Im Londoner Stadtteil Borough Market eröffnete das Künstlerduo Bompas und Parr die erste Bar der Welt, in der alkoholische Cocktails nicht etwa getrunken, sondern inhaliert wurden. Die Gäste der Location tauchten in eine sogenannte „Cloud“ ein – eine dichte Wolke, die durch die spezielle Mischung aus Alkohol und Feuchtigkeit in der Luft entstand.

Die britischen „Experience Designer“ wollten den Menschen mit „Bompas und Parr’s Alcoholic Architecture“ eine neue kulinarische Geschmackserfahrung bescheren und überdies eine ungewöhnliche architektonische Installation realisieren. Dies ist übrigens generell das Ziel von Sam Bompas und Harry Parr, die sich in erster Linie der „Food Art“ beziehungsweise dem „Food Design“ widmen.

„Breathe responsibly“

Unter diesem Motto, das übersetzt so viel wie „Atme verantwortungsbewusst“ heißt, setzten Bompas und Parr ihre Idee um. Jeder Besucher durfte die betörende „Cloud“ höchstens ein Mal pro Tag für maximal eine Stunde betreten.

Chemiker und Wissenschaftler haben berechnet, dass dies noch eine unbedenkliche Aufenthaltszeit in der Alkoholwolke ist, um die ungewöhnliche Bar normal gehend und nicht torkelnd verlassen zu können.

Die alkoholische Wirkung eines Aufenthalts von 40 bis 60 Minuten entsprach laut den „Experience Designern“ (und den Wissenschaftlern) einem regulären Longdrink, sodass sich zwar ein leichter Schwips ergeben konnte, aber kein gefährlicher Vollrausch.

Den Food-Architekten Bompas und Parr zufolge braucht der Mensch bei der „luftigen“ Aufnahme 40 Prozent weniger Alkohol, um denselben Effekt zu erzielen, der sich beim herkömmlichen Trinken einstellt.

Party
Menschen in der Discothek | Bild: © pressmaster (Dmitrii Shironosov)/Depositphotos.com

Einzigartiges Erlebnis

Wer einmal 60 Minuten in dem Nebel mit intensiven 140 Prozent Luftfeuchtigkeit und extrem hoher Alkoholkonzentration gesessen oder gestanden hat, kann auf ein einzigartiges Erlebnis zurückblicken.

Um in die „Cloud“ zu kommen, betraten die Gäste die Bar und bestellten wie gewohnt ihren Lieblingscocktail. Dieser wurde dann nicht im Glas serviert, sondern über spezielle Raumbefeuchter in die Luft gepumpt und so in einen Drink zum Einatmen verwandelt.

In der Bar war so viel Hochprozentiges in der Luft, dass die Gäste nicht weiter als etwa einen Meter sehen konnten. Doch gerade durch die immense Feuchtigkeit soll die Geschmackswahrnehmung besonders intensiv gewesen sein.

Die Besucher hätten sich in der Wolke gefühlt, als wären sie selbst im Longdrink. Im Übrigen bekam jeder am Eingang spezifische Schutzkleidung, um nach dem prickelnden Aufenthalt in der alkoholisierten „Cloud“ nicht wie ein Schnapsfass zu duften.

Inzwischen gibt es die Location in der speziell-alkoholischen Form nicht mehr, denn „Bompas und Parr’s Alcoholic Architecture“ war ein vorübergehendes, auf ein knappes halbes Jahr begrenztes Experiment. Es dauerte von Ende Juli 2015 bis Anfang 2016.

Für alle, die es interessiert: Eine Stunde Alkohol einatmen kostete 12,50 britische Pfund (ungefähr 18 Euro).

Alkohol einatmen: Belastet es den Körper weniger?

Wird Alkohol eingeatmetet, nimmt ihn der Blutkreislauf in erster Linie über die Lungen sowie die Augäpfel auf – die Leber umgehend, die dadurch verschont bleibt. Dies wiederum kann durch regelmäßigen Alkoholkonsum bedingten Lebererkrankungen theoretisch vorbeugen. Kurzfristig soll diese Art des hochprozentigen Genusses sowohl Kopfschmerzen und den typischen Kater am Tag danach verhindern als auch den Kalorienzuwachs vermeiden. Logisch: Wer bloß atmet, nimmt keine Kalorien zu sich.

Exkurs: Alkohol inhalieren – keine ganz neue Erfindung

Die grundlegende Idee, Alkohol zu inhalieren statt zu trinken, war zum Zeitpunkt des Projekts von Bompas und Parr nicht vollkommen neu.

Schon 2004 wurde kurzzeitig eine Methode propagiert, mit der es möglich sein sollte, Alkohol zu inhalieren statt zu trinken. Allerdings bedurfte es für diesen Kick eines spezifischen Geräts mit dem Namen „AWOL“ (Alcohol WithOut Liquid – Alkohol ohne Flüssigkeit). Dieses wurde von den US-amerikanischen Gesundheitsbehörden jedoch verboten, sodass der Partyhit nicht lange überlebte.

Der „Vaportini“

Ein paar Jahre nach „AWOL“ (allerdings vor „Bompas und Parr’s Alcoholic Architecture“) hatte Julie Palmer, eine Barfrau aus Chicago, den Einfall, die Methode, Alkohol zu konsumieren, ohne ihn zu trinken, zu perfektionieren.

Der Geistesblitz durchfuhr die US-Amerikanerin bei einem Saunabesuch in Finnland, wo Gäste etwas Vodka über heiße Steine schütteten, die Dämpfe einatmeten und schnell betrunken wurden. Um dann rasch wieder einen klaren, buchstäblich kühlen Kopf zu bekommen, rollten sie sich im Schnee.

Zurück in der Heimat finalisierte Palmer ihre Idee – das Resultat trägt nun den Namen „Vaportini“, ist eine Glaskonstruktion und erinnert optisch an eine Wasserpfeife, die gemeinhin mit Cannabis oder mit Tabak geraucht wird. Der Begriff „Vapor“ bedeutet „Dampf“, die Endung „-ini“ ist schlichtweg die Verkleinerungsform.

Folgendermaßen läuft der Alkoholkonsum mit dem „Vaportini“:

  1. Hochprozentiges in den Kessel (das Schnapsglas) füllen.
  2. Kessel mit einer Kerzenflamme (Teelicht in Glaskugel) etwa fünf Minuten erhitzen.
  3. Gläsernen Strohhalm in den Kessel einführen.
  4. Die berauschenden Dämpfe (den verdunstenden Alkohol) einatmen, Luft anhalten, ausatmen und so fort.

Palmer probierte das Gerät lange mit den Gästen in ihrer Chicagoer Bar „Red Kiva“ aus. Inzwischen ist der „Vaportini“ bereits seit mehreren Jahren auf dem Markt.

Die wichtigsten Erkenntnisse zum Inhalieren des Alkohols:

  • Alkohol inhalieren wirkt anders als Alkohol trinken
  • Rausch kommt schneller und hält kürzer an
  • warmer Rauch verschafft einem sofort einen leichten Rausch
  • nach 20 bis 40 Minuten kehrt Nüchternheit ein (vorausgesetzt, die Alkoholmenge fällt nicht übermäßig hoch aus)
  • Einatmen des Alkohols macht nicht dick

Ärzte warnen vor starken Nebenwirkungen beim Inhalieren von Alkohol

Warnung
Warnhinweis | Bild: © okeen_ (Aliaksei Lakamkin)/Depositphotos.com

Ob lediglich eingeatmtet, wie es beim „Experiment“ von Bompas und Parr der Fall war, oder geraucht wie beim „Vaportini“ und ähnlichen Methoden: Inhalierter Alkohol hat keineswegs nur Vorteile (gegenüber dem getrunkenen Alkohol).

Ärzte warnen ausdrücklich davor und bezeichnen das Rauchen beziehungsweise grundsätzlich das Inhalieren von Alkohol als extrem gefährlichen Trend. Die Dämpfe würden die Lunge und die Atemwege sowie den gesamten Organismus angreifen.

Während der auf normalem Weg konsumierte Drink in der Leber verarbeitet wird und daraufhin abgeschwächt ins Blut und Gehirn gelangt, umgeht der eingeatmete Alkohol diesen Zwischenschritt in der Leber – behält also seine volle Wirkung und kommt mit ganzer Wucht direkt im Gehirn an.

Wer zu viel Alkohol erwischt, den haut es um. Schnell kann aus dem leichten Schwips ein lebensgefährlicher Vollrausch werden. Auch deshalb, da beim Inhalieren von Alkohol ein wichtiger Schutzmechanismus fehlt: Der Körper warnt einen nicht durch Übelkeit und Erbrechen, wenn man es übertrieben hat. Das passiert nur beim Trinken von Alkohol.

So argumentieren die Ärzte. Sie erwarten Zunahmen in Bezug auf Alkoholvergiftungen sowie auf Alkoholtote, falls sich der Trend weiter durchsetzen sollte.

Polizei misst alkoholisierte Luft im Auto mit Lasersystem der Uni Würzburg

Vom Haus ins Auto: So manch einer neigt bekanntlich dazu, angetrunken zu fahren. Um diese Gefährder der Sicherheit auf den Straßen buchstäblich aus dem Verkehr zu ziehen, und das auf relativ einfache und schnelle Weise, kann sich die Polizei den Effekt der alkoholhaltigen Raumluft zunutze machen – dank der Universität Würzburg, die ein spezielles Lasersystem entwickelt hat.

Mit der Methode lässt sich Alkohol in der Fahrerkabine eines Autos messen, ohne dass dafür erst noch die Autotür geöffnet werden müsste. Tatsächlich funktioniert das System wie ein Blitzer: Am Straßenrand aufgestellt, registriert es bereits kleinste Spuren von Alkohol in der Raumluft eines vorbeifahrenden Pkws. Schon bei 0,1 Promille schlägt das sehr genau messende System an.

Basis dieses innovativen Alkoholmessgeräts ist die lasergestützte Stand-Off-Detektion, bei der es darum geht, aus großer Entfernung gefährliche Substanzen zu detektieren. Man denke nur an Flughäfen, dort kommt die Methode dauerhaft zum Einsatz. Zurück zum Auto: Das Lasersystem durchleuchtet die Fahrzeuge von außen, auch in entfernterer Position, und erfasst Alkoholmoleküle, sofern sich welche in der Fahrerkabine befinden.

Ein kleines Problem gibt es aber dennoch: Das Gerät kann natürlich nicht riechen, ob wirklich der Fahrer des Wagens ursächlich für die alkoholisierte Luft ist, oder doch einer seiner Beifahrer. Laut Martin Kamp, Physiker der Uni Würzburg, der die Methode gemeinsam mit Professor Sven Höfling entwickelt hat, könnte die Polizei das System für eine Vorauswahl nutzen, verdächtige Wagen anhalten und dann genauer überprüfen.

Fazit

Halten wir fest: Intensiver Alkoholgenuss mehrerer Menschen kann die Raumluft berauschen, vor allem in Kombination mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Da aber das Inhalieren von Alkohol beziehungsweise alkoholisierter Luft aus gesundheitlicher Sicht nicht uneingeschränkt zu empfehlen ist, sollten Sie auf diesen vermeintlichen Kick im Zweifelsfall lieber verzichten.

Kreieren Sie sich stattdessen einen wohlig-aromatischen Raumduft mit Trinkalkohol als Trägersubstanz und genießen hin und wieder allein oder zusammen mit Ihren Liebsten einen guten (klassischen) Schluck – aber ohne dann noch ins Auto zu steigen, denn am Straßenrand könnten Sie vom intelligenten Laserblitz getroffen werden…


Schreibe einen Kommentar

Mit * markierte Felder sind Pfichtfelder