Luftqualität richtig messen

Veröffentlicht: | Aktualisiert:
Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sensor für Luftqualität | Bild: © suebsiri (Suebsiri Srithanyarat)/Depositphotos.com

Auch im Innenraum – die Luftqualität richtig messen

Eine schlechte Luftqualität belastet uns und unsere Umwelt. Obwohl 90 Prozent der Zeit in Innenräumen verbracht wird, zumindest in Europa, ist die Luftqualität in Innenräumen kaum ein Thema. Diskutiert werden die Außenluftverschmutzung, stinkende Stickstoffdioxid produzierende Diesel und die Feinstaubbelastung. Jeden Tag machen wir 21.600 Atemzüge – mit Abstand die meisten davon in den eigenen vier Wänden. Damit ist es mehr als sinnvoll, die Luftqualität in Haus oder Wohnung zu messen. Luftmessgeräte sind durchaus erschwinglich und ermitteln die wichtigsten Schadstoffe in der Innenraumluft.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Atemluft enthält zahlreiche Schadstoffe, wie Feinstaub, Kohlendioxid und Formaldehyd. Viele sind transparent, einige Stoffe sind gasförmig, andere können z. B. je nach Raumtemperatur in Gas übergehen.
  • Viele Schadstoffe in der Raumluft sind zudem geruchs- und geschmacklos. Mit unseren Sinnen sind sie bewusst kaum wahrzunehmen.
  • Luftqualitätsmessgeräte erkennen die wichtigsten Schadstoffe in der Luft. Auch VOC, sogenannte flüchtige organische Verbindungen, sowie die Zimmertemperatur und Luftfeuchtigkeit messen sie.
  • Hohe Schadstoffkonzentrationen können gesundheitliche Beschwerden und Unwohlsein hervorrufen. Für Müdigkeit und Kopfschmerzen, aber auch chronische Erkrankungen können kritische Schadstoffbelastungen verantwortlich sein.
  • Um wirkungsvolle Gegenmaßnahmen zu ergreifen, muss die Luftqualität gemessen und ihre Schadstoffbelastung festgestellt werden.

Die Luftqualität messen – mit App und Smart Home

Wir atmen rund um die Uhr. Was wir genau einatmen, wissen wir allerdings nicht. Welche Stoffe sind in der Luft und wo kommen sie her? Klären lassen sich diese Fragen nur mit einer Messung der Luftqualität im Innenraum. Während die Belastung der Außenluft bereits über das Umweltbundesamt abrufbar ist, stehen zum Messen der Luftqualität im Innenraum sehr ausgereifte Luftqualitätsmessgeräte zur Verfügung. Die Luftqualität lässt bei vielen Luftmessgeräten in

Echtzeit überwachen und sogar in Smart Home-Anwendungen integrieren. Auch die Überwachung der Luftqualität mit einer App für das Smartphone ist möglich.

Anforderungen an ein Luftqualität-Messgerät

  • Analyse und Technik nach modernsten Standards
  • Leicht verständliche Präsentation der Analyseergebnisse
  • Erkennen von „unbekannten“ oder nicht weiter analysierbaren Partikeln
  • Kompaktes Format und erschwinglicher Anschaffungspreis
  • App und Smart Home-Integration für jederzeitige Kontrolle.

Raumluftmessgeräte können Gase und Partikel der Luft analysieren und sie anschaulich darstellen. Auch eine individuelle Ursachenanalyse der Raumluft ist möglich. Allerdings lassen sich nicht alle Partikel der Raumluft mit den Raumluftmessgeräten für den privaten Gebrauch analysieren. Einige Luftqualitätsmessgeräte können diese jedoch als „unbekannte Partikel“ erkennen und kennzeichnen, auch wenn sie nicht präzise identifiziert werden können. Luftmessgeräte mit dieser Technik verfügen über eine erhebliche künstliche Intelligenz, um diese unbekannten Partikel mit integrierten Softwarealgorithmen aufzuspüren. Ist eine solche Belastung beispielsweise sehr hoch, kann mit anderen, professionellen Methoden eine weitere Messung der Luftqualität erfolgen.

Was ein Raumluftmessgerät leisten kann

Für die Messung der Luftqualität sind in den Luftqualität-Messgeräten verschiedene Sensoren integriert.


Messbar sind beispielsweise:

Für die Messung von Werten, die nach allgemeiner Definition für eine „gute“ Luftqualität im Innenraum stehen, werden folgende Daten ermittelt:

  1. Raumtemperatur
  2. Luftfeuchtigkeit (relative und absolute)
  3. Luftdruck
  4. Lärmpegel.

Grenzwerte bei der Luftqualität und ihre Messung

Grenzwerte sind die Höchstmenge von Schadstoffen, die nicht überschritten werden sollten. In Deutschland werden die Grenzwerte von der EU übernommen oder vom Umweltbundesamt festgelegt. Für Innenräume, am Arbeitsplatz und im Freien sind die Grenzbelastungen für bestimmte Schadstoffe unterschiedlich hoch. Am Arbeitsplatz sind oft sogar sehr viel höhere Grenzwerte zugelassen, als in den eigenen vier Wänden.

Wir stellen wichtige Gase, Partikel und Schadstoffe in der Atemluft und ihre Grenzwerte gegenüber:


Feinstaubsensor
Mobiler Feinstaubsensor | Bild: © suebsiri (Suebsiri Srithanyarat)/Depositphotos.com

– Feinstaub (PM1 – PM10)

  • Tagesgrenzwert PM 10: 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, an maximal 35 Tagen im Jahr
  • Jahresgrenzwert PM 2.5: 25 Mikrogramm pro Kubikmeter
  • Jahresgrenzwert PM 10: 40 Mikrogramm pro Kubikmeter

Feinstaub besteht aus festen und flüssigen Schwebstoffen, bei denen die einzelnen Partikel einen sehr kleinen Durchmesser haben. Nach ihrem Durchmesser werden sie in als PM1 bis PM10 klassifiziert. Der Feinstaub kann – je nach der Partikelgröße und Zusammensetzung – das Herz- und Kreislaufsystem sowie die Atemwege beeinträchtigen. Ein Luftanalysator oder Luftmessgerät misst den Feinstaub in seinen verschiedenen Partikelgrößen.

Die Grenzwerte für Feinstaubpartikel der Größenklasse PM 2.5 sind unverbindliche Richtwerte der EU und der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Dabei sind gerade diese sehr kleinen Partikel besonders gefährlich. Mit PM 2.5 werden winzige Schadstoffe bezeichnet, die – wenn sie in die Blutbahn gelangen – sehr leicht gesundheitliche Probleme verursachen können.


– Stickstoffdioxid (NO2)

  • Tagesgrenzwert Innenraum: 40 Mikrogramm pro Kubikmeter
  • Kurzzeitwerte Innenraum: 80 – 250 Mikrogramm pro Kubikmeter
  • Arbeitsplatz (8-Stunden-Schicht): 950 Mikrogramm pro Kubikmeter

In der Luft enthaltenes NO2 wird zum größten Teil von Autos produziert. Es wirkt stark reizend auf Atemwege und fördert Asthmaerkrankungen.

Im Jahresmittel wird der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter Atemluft in vielen Städten überschritten. Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge wurden daher unter anderem in Hamburg und Stuttgart ausgesprochen.


– Kohlendioxid (CO2)

  • Grenzwert des Umweltbundesamts: 1.000 ppm
  • MAK-Wert: 5.000 ppm

Kohlendioxid ist ein natürlicher Bestandteil der Luft und ein wichtiges Treibhausgas. In hohen Konzentration führt es zu Müdigkeit, Leistungsverlust und kann eine bedrohliche Atemnot auslösen. Wird der Grenzwert erreicht, sollte gelüftet werden. Die Maximale-Arbeitsplatz-Konzentrat (MAK) erlaubt den 5-fachen Wert.


– Kohlenmonoxid (CO)

CO Melder
CO-Melder | Bild: © serenethos (LEE SERENETHOS)/Depositphotos.com
  • Umweltbundesamt: 10 mg pro Kubikmeter oder 8 ppm (8 Stunden Mittelwert)
  • MAK-Wert: 35 mg pro Kubikmeter oder 28 ppm

Kohlenmonoxid entsteht durch unvollständige Verbrennung. Das starke Atemgift ist besonders gefährlich, da es geruchs- und geschmacksneutral ist. In nicht belüfteten Räumen können schnell gefährlich hohe Konzentrationen erreicht werden.


– Schwefeldioxid (SO2)

  • Tagesgrenzwert: 125 Mikrogramm pro Kubikmeter
  • 1-Stunden-Grenzwert: 350 Mikrogramm pro Kubikmeter

Schwefeldioxid riecht stechend und ist bereits in Konzentrationen zwischen 0,8 und 4,0 Milligramm pro Kubikmeter vom Menschen wahrnehmbar.


– Formaldehyd (CH2O)

  • Grenzwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): 0,1 ppm oder 124 Mikrogramm pro Kubikmeter
  • MAK-Wert: 0,3 ppm oder 370 Mikrogramm pro Kubikmeter

Formaldehyd ist bei Raumtemperatur gasförmig und häufig Bestandteil von Klebern, die auch in Innenräumen verwendet werden. Es ist unter anderem in Holzwerkstoffen und Möbeln enthalten.


Die Luftqualität messen

– mit dem Umweltbundesamt

Das Umweltbundesamt misst in verschiedenen Regionen die Luftqualität der Außenluft und stellt diese per App zur Verfügung. Spätestens nach dem Lüften atmen wir die Außenluft auch im Innenraum ein. Nicht berücksichtigt sind bei den Außenluft-Messungen jedoch die innerhalb der Räume emittierten Schadstoffe und Gase.

Gemessen wird rund um die Uhr. Zu den aktuellen Messdaten des Umweltbundesamts gehören Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid (NO2). Insgesamt 300 Messstationen liefern die Daten zur Luftqualität auf das Handy oder das Tablet.

Hier finden Sie die Messung der Luftqualität (Luftqualitätsindex) in Ihrer Region.

Die App für Android:
https://play.google.com/store/apps/details?id=de.uba.luftqualitaet.

Im App-Store: https://apps.apple.com/de/app/luftqualit%C3%A4t/id1311567811?ls=1

– aus anderen Quellen

Auch andere Netzwerke gruppieren sich, um die Luftqualität in Deutschland zu überwachen. Auch dabei kann es lediglich um die Messung der Außenluft gehen und Schadstoffe im Innenraum können nach wie vor nur mit einem Luftqualität-Messgerät nachgewiesen werden.

Das Netzwerk um das OK Lab in Stuttgart ist Teil des Programms „Code for Germany“ der Open Knowledge Foundation Germany. Wer sich am Netzwerk beteiligen und einen eigenen Außenluft-Sensor installieren möchte, findet auf der Seite des Netzwerks eine Bauanleitung. Die aktuellen Sensoren zur Messung der Luft sind auf dieser Karte verzeichnet: https://deutschland.maps.sensor.community/#6/51.165/10.455

Für mehr Gesundheit und Sicherheit – die Luftqualität im Wohnraum messen

Wer dauerhaft gesund leben möchte, sollte im Innenraum die Luftqualität messen. Dies betrifft nicht nur die privaten Haushalte, sondern auch öffentliche Einrichtungen und Arbeitgeber. Untersuchungen zeigen, dass bei einer Messung der Luftqualität in Schulen besonders schlechte Ergebnisse erzielt werden. Auch Kindergärten oder Kindertagesgruppen sollten die Luftqualität in ihren Innenräumen regelmäßig überwachen. Neben der gesundheitlichen Belastung für Menschen und Tiere wirkt sich eine hohe Schadstoffbelastung der Luft durch Staub- und Schwebeteilchen regelmäßig auch auf Maschinen, Geräte und Lagerwaren aus – und verursacht dort wirtschaftlichen Schaden. Doch für Menschen ist die Schadstoffbelastung der Atemluft ein noch viel größeres Risiko.


Schreibe einen Kommentar

Mit * markierte Felder sind Pfichtfelder