Asbest

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Entfernung von Asbestplatten | Bild: © Kassandra2 (Liane Matrisch)/Depositphotos.com

Dächer oder Fassaden mit Eternitplatten können Asbest enthalten, genauso wie viele andere Produkte auch, wie beispielsweise Asbestzementwellplatten oder eben auch Asbestplatten. Leider gibt es noch viele weitere Anwendungen und Produkte, in denen sich Asbest versteckt und die zum Teil weit verbreitet sind. Im Folgenden fassen wird zusammen, wie Sie Asbest erkennen können und welche Möglichkeiten es zur sicheren Bestimmung und Entsorgung gibt. Darüber hinaus gehen wir im Detail darauf ein, welche Produkte Asbest enthalten, welche Gefahren Asbest für die Gesundheit darstellt, wie Sie das Risiko minimieren können und ob es Alternativen gibt.

Was ist Asbest?


Bei Asbest handelt es sich um eine Sammelbezeichnung für bestimmte natürliche Mineralien, die sich nicht durch technische Prozesse herstellen lassen. Während künstliche Mineralfasern eine glasige Struktur aufweisen, haben alle Asbestarten eine faserförmige Kristallstruktur. Asbest lässt sich in zwei Mineralgruppen einteilen, und zwar in:

  • Amphibole-Mineralgruppe
  • Serpentine-Mineralgruppe

Asbest können Sie mit bloßem Auge nicht erkennen. Die Mineralfasern setzen sich aus millionenfach gelagerten Fasern zusammen. Wenn eine Asbestfaser einer mechanischen oder chemischen Belastung ausgesetzt wird, kann diese in einzelne Kristallteile oder Kristallgruppen zerfallen, wobei diese Bruchstücke ebenso gefährlich sind wie die Mineralfasern. Asbest kommt in zahlreichen Produkten und Baustoffen zum Einsatz.

Warum ist Asbest so gefährlich?


Der direkte Zusammenhang zwischen Asbest und tödlichen Erkrankungen wie Kehlkopf- und Lungenkrebs, Asbestose sowie weiteren Krebsformen wurde bereits in zahlreichen wissenschaftlichen Studien bewiesen. Alle Krankheiten, die durch Asbest verursacht werden, können auf die kristalline Faserstruktur des Mineralstoffs zurückgeführt werden. Asbest oder Bruchstücke des Minerals wirken dann krankheitserregend, wenn die Kristallfasern in die Lunge eindringen und die Lungenbläschen erreichen. Wenn Asbest über den Haut-Darm-Trakt (oral) oder über die Haut (dermal) aufgenommen wird, konnten Wissenschaftler bis jetzt keine krankheitserregende Wirkung nachweisen.

Asbestfasern erhalten dann „lungengängige Abmessungen“, wenn Sie gebrochen oder gespalten werden. Dies geschieht in der Regel bei mechanischer Beanspruchung, wie beispielsweise beim Schleifen, Bohren, Zerbrechen, Sägen u. ä. Der offiziellen Definition des Weltgesundheitsbehörde (WHO) zufolge, weisen „lungengängige Fasern“ folgende Merkmale auf:

  • Sie besitzen einen Durchmesser von 3 µm (drei Tausendstel Millimeter)
  • Sie besitzen eine minimale Länge von 5 µm

Beim Umgang mit Asbest oder asbesthaltigen Stoffen sollten Sie unbedingt alle Verfahren vermeiden, die die Fasern mechanisch beanspruchen. Hierzu gehören alle abtragenden, brechenden oder schleifenden Arbeitsprozesse.

Wie kann man Asbest erkennen?

Eine Einschätzung darüber, ob in Ihrem Zuhause Asbest oder asbesthaltige Stoffe vorhanden sind, kann nur ein sachkundiger Fachmann geben. Falls die erste Einschätzung positiv ausfällt, sollten Sie unbedingt eine sogenannte „Materialanalyse (REM/EDX-Analyse)“ von einem Experten durchführen lassen. Dabei handelt es sich um eine Analyse des Materials unter dem Rasterelektronenmikroskop, die Ihnen genau aufzeigen kann, in welcher Form und in welcher Menge Asbest vorhanden ist. Anhand einer solchen Untersuchung kann eine sachkundige Person beispielsweise beurteilen:

  • ob bei der Nutzung von asbesthaltigen Stoffen gesundheitsschädigende Asbestfasern freigesetzt werden
  • ob beim Umgang mit asbesthaltigem Material, wie beispielsweise im Rahmen einer Wohnungsrenovierung, eine Freisetzung der gefährlichen Kristallfasern droht

Beim Umgang mit asbesthaltigen Materialien sollte jedoch immer der Anwendungsfall betrachtet werden. In vielen Fällen ist es jedoch davon auszugehen, dass bei Arbeiten mit Asbest die Akzeptanzkonzentration und meist auch die Toleranzkonzentration überschritten wird. Dies liegt in erster Linie daran, dass beim Umgang mit asbesthaltigen Stoffen gesundheitsbelastende Kristallfasern freigesetzt werden.

Welche Produkte enthalten Asbest?

Asbest kann in einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte enthalten sein. Bei asbesthaltigen Produkten gilt es zwischen sogenanntem schwach und fest gebundenem Asbest zu unterscheiden. Materialien, die fest gebundenen Asbest enthalten, besitzen einen 15-prozentigen Asbestanteil und zeichnen sich durch eine Dichte von rund 1400 kg/m³. Diese Asbestform kommt in unterschiedlichen Produkten zum Einsatz, wie zum Beispiel:

  • Fensterbänke
  • Wellplatten
  • Vinylasbestplatten
  • Rohrumleitungen
  • Floor-Paletten und Fußbodenbeläge

Diese asbesthaltigen Materialien und Produkte sind nur dann gesundheitsgefährdend, wenn sie porös oder beschädigt werden. In diesem Fall können die Asbestfasern in der Raumluft freigesetzt werden, was gesundheitsschädigende Folgen für unsere Gesundheit haben kann. Besonders problematisch sind Fußbodenbeläge, bei denen Asbestfasern für die Festigung einsetzt werden. Ob und in welchem Maße die Bodenbeläge Asbestfasern in die Raumluft freisetzen, hängt in erster Linie von dem Abnutzungsgrad und der Qualität der Fußbodenbeläge ab.

Ein Problem, mit dem viele Wohnungsbesitzer konfrontiert werden, ist die Tatsache, dass oft überhaupt nicht bekannt ist, ob und in welcher Menge Asbest verbaut ist. So können beispielsweise bei Renovierungen oder Reparaturen unwissend Asbestfaser in der Wohnung freigesetzt werden.

Bei schwachgebundenen Asbestmaterialien und -Produkten reicht bereits eine kleine Erschütterung oder Beschädigung aus, um große Asbestfasermengen in die Raumluft freizusetzen. Daher sind Produkte, die diese Asbestform enthalten, besonders gefährlich und sollten mit äußerster Sorgfalt behandelt werden. Beispiele für schwachgebundene Asbestprodukte und -Stoffe sind:

  • Dichtungsmaterialien
  • Brandschutzpaletten
  • Spritzasbest

Vorsicht bei der Entsorgung

Schutzanzug
Schutzanzug für die Asbestentsorgung| Bild: © fotokris44 (Krzysztof Slusarczyk)/Depositphotos.com

Falls sich Ihr Verdacht auf Asbest in den eigenen vier Wänden bestätigt hat, sollten Sie keinesfalls Hals über Kopf mit den Entsorgungsarbeiten beginnen. Angaben der Verbraucherschutzzentrale zufolge, haben Arbeiter, die beruflich ohne die ausreichenden Schutzmaßnahmen jahrelang hohen Asbestbelastungen ausgesetzt waren, ein hohes Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Nicht nur die Handwerker, sondern insbesondere auch Sie als Privatperson müssen sich, wenn Sie Arbeiten mit asbesthaltigen Materialien übernehmen, an die Vorschriften halten und entsprechende Schutzkleidung und Staubmasken tragen. Sie sollten sich dessen bewusst sein, dass die Vorgaben nicht nur Ihrem persönlichen Schutz, sondern auch dem Schutz Ihren unmittelbaren Nachbarn dienen.

Auch wenn Sie die Arbeiten in Ihrer Wohnung selbst durchgeführt und asbesthaltige Stoffe und Produkte erfolgreich entfernt haben, dürfen Sie dieses Material nicht selbst entsorgen. Asbesthaltiges Material dürfen nur spezialisierte Firmen entsorgen, die dafür die nötige Gerätschaft und ausgebildete Mitarbeiter haben. Asbest wird als Sondermüll klassifiziert, sodass es fachgerecht entsorgt und verpackt werden muss. Dies kann eventuell sehr teuer werden.

Welche Alternativen gibt es?

Was, wenn Sie beispielsweise vermuten, dass hinter alten Tapeten oder Fliesen Asbest steckt, Sie aber die Kosten für die Analyse und Entsorgung nicht aufbringen möchten. Mit bestimmten Sanierungs- bzw. Renovierungsarbeiten können Sie das Problem in vielen Fällen kostengünstig umgehen. Ein Badezimmer, in dem asbesthaltiger Fliesenkleber eingesetzt wurde, kann beispielsweise ohne größere Investitionen modernisiert werden, indem Sie die alten Fliesen einfach mit neuen überkleben. Falls jedoch asbesthaltiger Fliesenkleber freigelegt wurde, müssen Sie diesen fachgerecht entsorgen, bevor Sie Fliesen darüber anbringen können. Auch Renovierungsarbeiten wie das Überstreichen unversehrter Tapeten, die asbesthaltigen Putz überdecken, ist erlaubt und ohne spezielle Schutzmaßnahmen möglich.