Flüchtige organische Verbindungen – wie Sie die Probleme in den Griff bekommen

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Flüchtige Organische Verbindungen (VOC) | Bild: © ursus@zdeneksasek.com (Zdenek Sasek)/Depositphotos.com

Flüchtige organische Verbindungen gehören zu den Schadstoffen, denen alle Menschen notwendigerweise ausgesetzt sind. Natürliche Prozesse wie Fäulnis erzeugen sie ebenso wie sie von vielen Kunststoffen in die Umgebungsluft abgegeben werden. Eine gewisse Belastung der Luft in Ihrer Wohnung wird sich kaum ganz vermeiden lassen. Mit einem Bewusstsein der Probleme können Sie die Gefahren für Sie selbst und Ihre Kinder jedoch durchaus unter Kontrolle bekommen.

Was sind flüchtige organische Verbindungen?

Diese auch unter dem englischen Begriff volatile organic compounds oder VOC bekannten Substanzen sind zum einen organisch, enthalten also Kohlenstoff und kommen als Bestandteil von pflanzlichen und tierischen Lebewesen vor. Als flüchtig werden sie deshalb bezeichnet, weil sie bei Raumtemperatur vom flüssigen oder festen in den gasförmigen Zustand übergehen. Umgangssprachlich wird dieser Vorgang auch als Verdunsten bezeichnet. Für die Schadstoffbelastung in Ihrer Wohnung können Sie VOC nach der Geschwindigkeit der Verflüchtigung unterscheiden. Je schneller dieser Prozess abläuft, umso höher ist die kurzfristige Konzentration des jeweiligen Stoffes. Sich langsam verflüchtigende Stoffe wirken mit geringerer Konzentration, das aber über einen längeren Zeitraum.

Wo kommen VOC in der Wohnung vor?

Natürlich erzeugte flüchtige organische Verbindungen entstehen bei allen organischen Abbauprozessen wie Fäulnis und Schimmelbildung. Diese Stoffe werden von Mikroorganismen und Pilzen erzeugt oder bilden die Zersetzungsprodukte nach deren Tod. Ein bekanntes Beispiel sind die Stoffe, die den muffigen Geruch verschimmelten Holzes hervorrufen.
Die künstlichen VOC kommen in den verschiedensten Materialien vor, die für Bau und Ausstattung von Wohnungen verwendet werden oder zumindest wurden. Dazu gehören neben sehr vielen Kunststoffen selbst auch Farben, Lösemittel, Klebstoffe, Lacke und Fettlöser. Bei älteren solchen Stoffen ist die Gefahr größer, dass sie VOC in die Umgebungsluft in schädlichen Konzentrationen abgeben, da früher dieses Problem noch wenig bekannt war.

Andere Quellen für VOC

Der Kunststoff PVC wird oft mit Weichmachern versehen, die VOC ausdünsten. Viele im täglichen Leben verwendete Gegenstände wie Kinderspielzeug, Verpackungsmaterial oder auch Küchenutensilien bestehen aus PVC. Auch Möbel und Teppiche wurden oft mit Substanzen behandelt, die über einen langen Zeitraum flüchtige organische Verbindungen in die Luft abgeben. Nicht vergessen werden sollten aber auch natürliche Baumaterialien wie Holz, die ebenso Quellen für VOC darstellen.

Gefahren durch flüchtige organische Verbindungen

Am direktesten spürbar ist der oft unangenehme Geruch, der von flüchtigen organischen Verbindungen bewirkt wird. Ob mit Geruchsbelästigung oder ohne, es sind sowohl akute als auch langfristige negative Auswirkungen möglich. Eine hohe Konzentration von flüchtigen organischen Verbindungen herrscht oft direkt nach der Fertigstellung eines Baus oder einer Renovierung von Räumen. Die abnehmende Belastung wiederum zeigt sich am oft relativ rasch zurückgehenden Geruch.
Die Symptome einer ernsthafteren gesundheitlichen Beeinträchtigung sind Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Reizungen der Augen und der Atemwege sowie ein oft wenig definierbares Gefühl der Müdigkeit und des Unwohlseins. Oft ist zu beobachten, dass Menschen mit anderen Krankheiten wie Allergien erheblich empfindlicher auf VOC reagieren. Bei solchen Problemen wird es notwendig sein, Ihre Wohnung durch Fachleute mit entsprechenden Messgeräten überprüfen zu lassen. Diese können Ihnen dann auch Maßnahmen zur Behebung des Problems vorschlagen.
Das kann insbesondere dann angezeigt sein, wenn Sie es mit dem sogenannten Sick-Building Syndrome zu tun haben. Im Gebäude sind in einem solchen Fall flüchtige organische Verbindungen vorhanden, die von ihnen ausgelösten Beschwerden lassen sich aber keinem einzelnen Stoff zuordnen. Klar ist jedoch, dass ein wesentlicher Prozentsatz der Personen im Gebäude Symptome zeigt, die beim Verlassen dieses Hauses wieder verschwinden. In einem solchen Fall ist professionelle Hilfe auf jeden Fall notwendig.

So vermeiden Sie am besten Gefahren durch flüchtige organische Verbindungen

  • Die gute Nachricht ist, dass oft schon einfache Maßnahmen zu einer spürbaren Verbesserung beitragen. In Mitteleuropa ist die Konzentration von Stoffen wie flüchtigen organischen Verbindungen draußen praktisch immer niedriger als in umbauten Räumen. Durch gute und regelmäßige Lüftung lässt sich daher die Belastung der Raumluft in Ihrer Wohnung wesentlich reduzieren.
  • Da die Belastung mit VOC nach dem Bau oder nach Renovierungen oft besonders hoch ist, sollten Sie in solche Räume am besten nicht sofort einziehen. Es ist sehr empfehlenswert, eine gewisse Zeit zum Ausgasen neuer Räume vorzusehen. Sie sollten mit dem Einziehen mindestens so lange warten, bis kein Geruch von Farben oder Lösungsmitteln mehr feststellbar ist. Das gilt ganz besonders dann, wenn kleinere Kinder zu Ihrem Haushalt gehören.
  • Für eine geringe Belastung mit VOC gibt es die Gütesiegel Blauer Engel und Euro-Margerite. Bei der Auswahl von Material zum Ausbau von Innenräumen sollten Sie auf diese achten und Produkte mit diesen Siegeln bevorzugt auswählen. Früher gültige deutsche Standards dürfen aus EU-rechtlichen Gründen nicht mehr zwangsweise durchgesetzt werden. Sie können das AgBB-Bewertungsschema aber immer noch als Richtschnur für die Auswahl von Material verwenden.
  • Bevor Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, gibt es noch einen einfach zu setzenden Schritt und das ist die Verwendung von Ionisationsgeräten. Diese filtern die Raumluft und binden viele der flüchtigen organischen Verbindungen.