Schadstoff Feinstaub – unsichtbar und doch überall

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Staubwolke | Bild: © Avesun (Svetlana Radayeva)/Depositphotos.com

Feinstaub ist gesundheitsgefährdend. Und das bereits in geringsten Mengen. Darauf weist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausdrücklich hin. Gerade die Luftqualität in Innenräumen ist für die Gesundheit elementar wichtig. Vom richtigen Putzen bis hin zu technisch anspruchsvollen Lüftungsanlagen haben Sie die Möglichkeit, hier Einfluss zu nehmen.

Entstehung und Klassifizierung von Feinstaub

Der Oberbegriff Feinstaub umfasst zwei Grundarten:

  • primär emittiert: direkt von der Quelle – Beispiel: Verbrennungsprozess
  • sekundär gebildet: durch gasförmige Vorläufersubstanzen entstanden wie beispielsweise Ammoniak, Stickoxide oderSchwefeloxide

Grundsätzlich besteht Feinstaub aus festen und flüssigen Partikeln und wird je nach deren Größe unterteilt in die Gruppen:

  • PM10 (maximaler Durchmesser 10 Mikrometer)
  • PM2,5 (maximaler Durchmesser 2,5 µm)
  • PM0,1 – ultrafeine Partikel (Durchmesser unter 0,1 µm)

PM steht für particulate matter – den englischen Begriff für Feinstaub.

Quellen

Feinstaub entsteht überwiegend mit Zutun des Menschen durch beispielsweise:

  • Emissionen von Kraftfahrzeugen (vorrangig Dieselfahrzeuge)
  • Abrieb von Reifen und Bremsen
  • Kraftwerke und Fernheizwerke
  • Heizungen und Öfen im Wohnbereich
  • Erzeugung von Stahl und Metall
  • Transport von Schüttgütern wie Kies und Sand
  • Feuerwerk
  • Hausbrände

Sekundäre Feinstaubbildung wird dabei durch die Massentierhaltung und die damit verbundene Emission von Ammoniak begünstigt. Des Weiteren gibt es natürliche Quellen für Feinstaub wie:

  • Emissionen aus Meeren und Vulkanen
  • Bodenerosion
  • Sporen von Pilzen und Bakterien
  • Busch- und Waldbrände

Allerdings trägt auch hier der Mensch durch Eingriffe in die Natur nicht selten die Verantwortung.

Feinstaub im Innenbereich

Zusätzlich zu der Belastung der Außenluft gibt es in Wohnhäusern weitere Emissionsquellen wie:

  • Offene Kamine
  • Gasherde und Gasthermen
  • Brennende Kerzen/Zigaretten
  • Werkstoffe und Baustoffe (Heimwerkertätigkeit/Baustaub)
  • Laserdrucker (Toner)
  • Küche/Herd allgemein (Braten von Fleisch und Gemüse)

Bedingt durch die geringere Verdünnungsmöglichkeit ist die Konzentration von Feinstaub in Innenräumen höher als in der Außenluft. Diese gelangt durch undichte oder geöffnete Fenster und Türen in den Innenbereich. Zusätzlich transportieren Sie Partikel an Schuhen und Kleidung in die Wohnung. Stäube, die sich ablagern, werden durch Bewegung aufgewirbelt und wieder in der Luft verteilt. Die Innenquellen verschlimmern die Situation.

Folgen für die Gesundheit

Die Wirkung des Feinstaubs auf die Gesundheit ist grundsätzlich abhängig von zwei Faktoren:

  • der Partikelgröße und
  • der chemischen Zusammensetzung

Je kleiner die Partikel, desto größer die Gefahr. Denn umso tiefer gelangt der Feinstaub in die Atemwege. Im schlimmsten Fall werden ultrafeine Partikel bis in das Lungengewebe und von dort aus in den Blutkreislauf transportiert. Plaqueablagerungen und Organschäden können die Folge sein. Verengungen der Blutgefäße können wiederum ernsthafte Erkrankungen begünstigen wie Thrombose oder Herzinfarkt. Dabei können auch geringe Feinstaubkonzentrationen gravierende Folgen haben, wenn sie über einen längeren Zeitraum bestehen.
Die größeren Partikel (PM10) reizen die Nasenhöhle. Partikel kleiner als PM2,5 erreichen Bronchien und Lungenbläschen und können Entzündungen verursachen.

Gesundheitsschädliche Stoffe, die an der Oberfläche der Partikel anhaften, stellen ein weiteres Risiko dar. Von Metallen bis hin zu Pestiziden ist hier einiges möglich.

Risiken minimieren

Jeder kann seinen Beitrag leisten, um die Belastung der Außenluft zu verringern – zumindest in Bezug auf die Wahl des Transportmittels. Um die Qualität der Innenluft zu verbessern, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

Richtig lüften

Einen intensiven Luftaustausch erreichen Sie durch das Stoßlüften. Hierbei möglichst die Fenster inklusive der Innentüren ganz öffnen. Durchzug ist die effektivste Methode.

Mobile Luftreinigungsgeräte

An heißen Tagen, wenn Sie die Fenster zumeist geschlossen halten, hilft ein Luftreinigungsgerät. Dieses können Sie in verschiedenen Räumen nutzen. Auch zur Raumkühlung und Luftbefeuchtung. Hochwertige Geräte zeigen die gefilterten Schadstoffe an. Über die Stiftung Warentest erhalten Sie aktuelle Testergebnisse.

Lüftungsanlage

An viel befahrenen Straßen und in Industriegebieten ist die Außenluft möglicherweise so stark belastet, dass sich der Einsatz einer Lüftungsanlage anbietet. Hierbei haben Sie folgende Optionen:

Lüftungsanlagen ohne Leitungssystem

Eine komprimierte dezentrale Zu- und Abluftanlage kommt ohne Leitungen aus. Daher ist sie speziell für die nachträgliche Installation geeignet – auch in Einzelräumen. Erforderlich sind ein Stromanschluss und zumindest ein Mauerwerksdurchbruch. Die Wartung ist unkompliziert. Insgesamt eine kostengünstige Lösung.

Zentrale Zu- und Abluftanlage mit Leitungssystem und Wärmerückgewinnung

Wenn Sie einen Hausbau planen, stellt die erweiterte Lösung mit getrennten Kanälen für Abluft und Frischluft eine Alternative dar. Die verunreinigte Luft wird zumeist zugluftfrei angesaugt und durch Frischluft ersetzt. Der Bedarf an Luftaustausch wird über Sensoren automatisch ermittelt. Bis zu 90 % der Wärmeenergie wird hierbei weitergenutzt.

Reinigung der Wohnung

Mit einem Staubtuch oder Staubwedel wirbeln Sie den Staub auf, der sich anschließend in der Luft verteilt. Auf den ersten Blick erscheinen die Flächen staubfrei. Doch bereits nach kurzer Zeit setzen sich die Partikel wieder ab. Ein feuchtes Tuch hingegen nimmt den Staub auf.

Fliesen, Laminat oder ähnliche glatte Bodenflächen reinigen Sie am besten ebenfalls feucht. Zwischendurch und für Teppiche und Polster ist ein Staubsauger mit Feinstaubfilter zu empfehlen. Ohne entsprechenden Filter wird durch die Abluft noch mehr Staub im Raum verteilt. Die Stiftung Warentest hat zahlreiche Anti-Allergie-Staubsauger überprüft. Das Siegermodell kostet weniger als 200 Euro.

Fazit

Je mehr Innenquellen es in Ihrem Haushalt gibt, desto größer das Risiko. Dabei gibt es einige vermeidbare Faktoren wie schädlichen Zigarettenqualm. Das Tückische am Feinstaub ist, dass Sie ihn nicht sehen können. Eine Gefahr, die Sie nicht einschätzen können. Eine erste Aussage liefern Feinstaubdetektoren, die im Handel erhältlich sind. Wer Gewissheit haben möchte, ist mit einem qualifizierten Gutachten besser beraten.