Schimmelbelastung messen – so gehts

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Entnahme einer Schimmelprobe | Bild: © AndreyPopov (Andriy Popov)/Depositphotos.com

Schimmel stellt in vielen Wohnungen ein ernsthaftes Problem dar. Um gesundheitlichen Beschwerden vorzubeugen, sollten Sie bei Verdacht frühzeitig die Schimmelbelastung überprüfen. Hierfür können Sie entweder auf private Schnelltests oder einen professionellen Fachbetrieb / Gutachter zurückgreifen.

Welche Folgen kann Schimmel in der Wohnung haben?

Schimmel in der Wohnung hat negative gesundheitliche Auswirkungen. Die Sporen von Schimmelpilzen können zum einen allergische Reaktionen auslösen. Typische Beschwerden sind Nies- und Juckreiz, Brustenge sowie Asthmaanfälle. Darüber hinaus kann Schimmelpilz auch bereits vorhandene Krankheiten verschlimmern. Vor allem Personen, welche immungeschwächt oder gesundheitlich vorbelastet sind, sollten bei Schimmelbefall schnell handeln, um eine gesundheitliche Verschlechterung zu verhindern.

Ferner kann Schimmelpilz langfristig auch die Substanz des Gebäudes schädigen. Bestimmte Pilzarten greifen Holz an und zerstören dessen Struktur. Breitet sich der Pilz auf tragende Balken aus, kann dies ernsthafte Konsequenzen für die Stabilität eines Gebäudes haben.

Um dem vorzubeugen, sollte bei Verdacht auf Schimmelpilzbefall ein entsprechender Test vorgenommen werden. Erste Verdachtsmomente können Atembeschwerden und das plötzliche Auftreten von allergischen Reaktionen sein. Auch ein deutlicher Schimmelgeruch kann ein Hinweis sein. Liegt bereits ein sichtbarer Schimmelbefall auf einer Fläche von mindestens 0,5 m2 vor, sollten Sie idealerweise sofort einen Fachmann kontaktieren.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Möglichkeiten es gibt, die Schimmelbelastung in der Wohnung zu messen.

Schimmel-Schnelltests für Laien

Es gibt eine Reihe von Schnelltests *, welche von Ihnen selbst vorgenommen werden können. Diese sind im Handel frei erhältlich und kosten zwischen 15 und 70 EUR. Einige Schnelltests können vom Nutzer vor Ort ausgewertet werden. Andere laufen zweistufig ab, wobei Sie zuerst eine Probe nehmen und diese anschließend zur Auswertung an ein Labor schicken. Man unterscheidet bei diesen Schnelltests zwischen zwei unterschiedlichen Methoden.

Teststreifen-Methode

Bei dieser Methode wird von einer Stelle in der Wohnung, bei der Sie annehmen, dass sie von Schimmelpilz befallen ist, mittels eines Klebestreifens eine Abstrichprobe* entnommen. Der Streifen muss hierfür lediglich auf die betroffene Stelle gedrückt werden. Der Teststreifen wird nun innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis zeigen. Allerdings sind solche Streifen lediglich für bestimmte Schimmelarten geeignet. Es existieren gleichfalls zahlreiche schädliche Arten, welche von diesem Test nicht erkannt werden können.

Lufttest

Weil sich Schimmelsporen in der Wohnungsluft verbreiten, gibt es eine Reihe von Tests, welche die Luft überprüfen. Manche Varianten bestehen aus einer Reihe von Petrischalen mit einem Nährboden aus Malzextrakt-Agar. Diese müssen für eine vorgegebene Zeit an verschiedenen Orten in der Wohnung offen aufgestellt werden. Anschließend werden die Schalen verschlossen und für eine gewisse Zeit aufbewahrt. Nach durchschnittlich zehn Tagen sollten im Falle eines Schimmelbefalls Veränderungen auf den Nährböden sichtbar sein. Anhand einer mitgelieferten Checkliste kann überprüft werden, ob die Befunde auf eine auffällige Belastung schließen lassen oder nicht. Alternativ werden manche dieser Varianten auch als zweistufiger Test angeboten. Nach der Entnahme werden die Petrischalen dabei nicht zuhause aufbewahrt, sondern müssen an ein Labor zwecks Untersuchung geschickt werden.

Bei einer alternativen Variante des Lufttests* wird ein spezieller Behälter auf den Staubsauger montiert. Dieser füllt sich beim Saugen mit Staub und eventuellen Sporen. Anschließend wird der Behälter zur Untersuchung an ein Labor geschickt.

Abstrich und Nährbodentest

Die dritte Variante funktioniert ebenfalls mittels Petrischalen und Nährböden. Hierbei müssen Sie mit einem Teststäbchen einen Abstrich von einer evtl. betroffenen Stelle machen. Das Stäbchen wird daraufhin auf die Nährlösung in der Petrischale aufgestrichen. Im Anschluss müssen sie entweder eine gewisse Zeit warten und die Ergebnisse selbst überprüfen oder die Schale wieder an ein Labor schicken.

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Bei Tests, welche auf ein Labor angewiesen sind, ist die Laboruntersuchung oftmals bereits im Preis inklusive. In dem Fall ist ein bestimmtes Labor angegeben, an welches der Test geschickt werden muss. Andere Varianten stellen es Ihnen frei, wohin sie die Proben anschließend zur Untersuchung schicken.

Probleme bei Schnelltests

Der größte Vorteil von Schnelltests ist, dass sie im Vergleich zu professionellen Messungen
günstig sind. Bestehen bereits starke Verdachtsmomente, kann ein Schnelltest für das letzte bisschen an Gewissheit sorgen. Gleichfalls gehen mit dieser Art an Messungen erhebliche Nachteile einher.

Sämtliche Schnelltestverfahren sind mit einer Reihe von Problemen behaftet. Tests, deren Ergebnisse Sie selbst überprüfen müssen, liefern meist nur sehr ungenaue und oberflächliche Resultate. Viele Pilzarten werden von diesen Tests nicht erkannt. Beim Lufttest mit offenen Petrischalen * hängt das Ergebnis z. B. stark von Größe und Gewicht der Sporen ab. Größere Sporen sinken schneller zu Boden und setzen sich daher in größeren Mengen auf dem Nährboden der Schalen ab. Leichtere Sporen bleiben hingegen länger in der Luft. Werden die Schalen nach der vorgegebenen Zeit verschlossen, haben sich unter Umständen nicht ausreichend kleinere Sporen abgesetzt. Dadurch bleibt ein positiver Befund aus, obwohl die Raumluft bereits voll mit diesen Sporen ist.

Aber auch zweistufige Verfahren, bei denen die Proben hinterher in einem Labor ausgewertet werden, sind problematisch.

Beim Entnehmen der Proben können einem Laien diverse Fehler unterlaufen. Diese führen dazu, dass die Proben verunreinigt werden, was eine spätere Analyse erschwert oder gänzlich unmöglich macht. Ferner müssten bei jedem Test auch die örtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Diese sind dem Labor jedoch nicht bekannt. Aus dem Grund sind Analysen meist undifferenziert. Das hat zur Folge, dass teilweise zu unrecht ein positiver Befund festgestellt wird. Schimmelpilzsporen könnten evtl. durch ein offenes Fenster in die Schalen gelangt sein. Auch Kaminholz kann Sporen enthalten. In beiden Fällen wird durch diese externen Faktoren, welche dem Labor unbekannt sind, ein Fehlalarm ausgelöst.

Weiterhin gibt es Schimmelpilzarten, welche grundsätzlich nicht von solchen Heimtests erfasst werden können. Dies trifft vor allem auf Pilzarten zu, welche in Verbindung mit Wasserschäden auf Tapeten und Gips auftreten. Andere Pilzarten sind dafür bekannt, auf den erhältlichen Nährböden aus Malzextrakt-Agar nur sehr langsam zu wachsen. Aus dem Grund verwenden Sachverständige grundsätzlich mehrere unterschiedliche Lösungen für ihre Tests.

Raumluftmessung durch Experten

Besteht der Verdacht auf Schimmelbefall, bietet es sich alternativ an, auf die Hilfe eines
Fachbetriebs oder professionellen Schimmelgutachters zurückzugreifen. Im Rahmen solcher fachmännischen Untersuchungen wird der gesamte Wohnraum gründlich untersucht. Dabei werden sämtliche Umstände und äußeren Einflüsse berücksichtigt, um auszuschließen, dass das Ergebnis verfälscht wird. Jeder Gutachter verfügt über eine breite Auswahl an Messgeräten. Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Wandfeuchte und etwaige Wärmebrücken werden genau registriert. Mittels einer MVOC Messung wird nach Gasen gesucht, die charakteristisch für Schimmelpilze sind. Bei Verdacht auf tiefersitzenden Befall können Kernbohrungen oder Schimmelspürhunde zum Einsatz kommen. Im Zuge einer kompletten Gebäudeanamnese wird der Schimmelbefall schließlich genau lokalisiert und etwaige Ursachen werden ausgemacht. Die Genauigkeit einer solchen Untersuchung ist deutlich höher, als dies bei einem Schnelltest möglich wäre.

Die Kosten einer umfassenden Luftkeimuntersuchung belaufen sich in der Regel auf 400 bis 500 EUR. Sollen Gutachten über den Schimmelbefall erstellt werden, können die Kosten variieren. Für ein Vorort-Gutachten werden meist zwischen 100 und 200 EUR berechnet. Dieser Preis beinhaltet eine mündliche Stellungnahme. Schriftliche Berichte können hingegen bis zu 400 EUR kosten. Soll für Mieter und Vermieter ein Parteiengutachten ausgestellt werden, müssen Sie mit Preisen zwischen 800 und 900 EUR rechnen.


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