So lüften Sie richtig

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Fenster öffnen zum Stoßlüften | Bild: © ginasanders (Erwin Wodicka)/Depositphotos.com

Mit einer intelligenten Lüftungsstrategie schaffen Sie ein angenehmes Raumklima und sparen gleichzeitig Energie. Durch den Luftaustausch ändern Sie nicht nur die Temperatur Ihrer Räume, sondern auch die Luftfeuchtigkeit und den Sauerstoffgehalt. Wenn Sie beim Lüften einige Hinweise beachten, und je nach Jahreszeit unterschiedlich lüften, werden Sie eine optimale Luftqualität in Ihren Wohnräumen erreichen. Durch richtiges Lüften vermeiden Sie zudem Schimmelbefall in der Wohnung.

Wozu muss ich überhaupt lüften?

Beim Aufenthalt in einem Raum mit geschlossenen Fenstern reichert sich nach längerer Zeit die Raumluft mit der ausgeatmeten Luft an. Diese ist wärmer, feuchter und sauerstoffärmer als frische Luft. Gleichzeitig enthält sie mehr schädliches Kohlendioxid. Bei geöffnetem Fenster strömt verbrauchte Raumluft aus der Wohnung ins Freie und im Gegenzug gelangt frische Luft in den Raum. Das Lüften hat mehrere Funktionen: Die Luft wird mit Sauerstoff angereichert und gleichzeitig werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit gesenkt. Wenn Sie Ihre Wände frisch gestrichen haben oder Möbel gekauft haben, die unangenehme Gerüche abgeben, hat das Lüften zusätzlich die Funktion, Schadstoffe aus der Wohnung zu entfernen.

Stoßlüften statt Dauerlüften

Fenster öffnen
Gekipptes Fenster | Bild: © Dualshock (Ruslan Solntsev)/Depositphotos.com

Oft werden Fenster dauerhaft auf Lüften gestellt, indem man sie nur einen Spaltbreit öffnet. Bei diesem sogenannten Kipplüften wird nur wenig Luft ausgetauscht und der Raum unnötig abgekühlt. Die Folge sind steigende Heizkosten. Ein gutes Raumklima erreichen Sie dagegen durch Stoßlüften. Dazu müssen Sie die Fenster weit öffnen, sodass die Luft ungestört im Raum zirkulieren kann. Öffnen Sie auch die Innentüren, damit die Luft in einem möglichst großen Raum ausgetauscht wird. Im Idealfall dauert das Stoßlüften 5 bis 10 Minuten. In dieser kurzen Zeit kühlen die Wände nicht so sehr aus. Während des Stoßlüftens sollten Sie die Heizung herunterdrehen, um Energie zu sparen.

Lüften in der Küche

Beim Kochen entsteht sehr viel Wasserdampf, der von der Raumluft aufgenommen wird und sich teilweise an den Küchenwänden und -möbeln niederschlägt. Beim Kochen sollten Sie daher Ihren Abzug einschalten. Töpfe und Pfannen sollten Sie möglichst zudecken und beim Öffnen des Backofens den Abzug laufen lassen. Feuchte Ablagen reiben Sie nach der Benutzung gleich trocken. Während des Kochen sollte die Küchentüre geschlossen sein, damit der Dampf nicht in die Wohnung dringen kann. Nach dem Kochen vertreiben Sie die restliche Feuchtigkeit im Idealfall durch ein gründliches Stoßlüften.

Lüften des Badezimmers

Badzimmer
Modernes Badezimmer | Bild: © hemul75 (Dmitrii Berg)/Depositphotos.com

Beim Duschen und Baden füllt sich die Luft schnell mit Wasserdampf, der sich an den Wänden niederschlägt und längerfristig zur Bildung von Schimmel führen kann. Daher sollten Sie nach dem Duschen oder Baden das Fenster weit öffnen, damit der Wasserdampf ins Freie gelangen kann. Verwenden Sie einen Abzieher für Fliesen und Glaswände, damit die anhaftende Feuchtigkeit sich nicht in Wasserdampf verwandelt. Bei fensterlosen Badezimmern sollte eine Entlüftung eingebaut sind, die für einen Abtransport des Wasserdampfs sorgt. Wenn Sie die Innentür zur Wohnung öffnen, können Sie dadurch die Luftzirkulation verbessern, haben dadurch aber auch mehr Feuchtigkeit in den restlichen Wohnräumen. Öffnen Sie in diesem Fall mindestens zwei Fenster in den restlichen
Räumen, damit die Feuchtigkeit nach draußen entweichen kann. Wenn das Bad zusätzlich zum Trocknen von Wäsche genutzt wird, ist ein gründliches Lüften angesagt. Nach Empfehlungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sollte die Badezimmertüre während des Duschens und danach geschlossen sein, damit keine Feuchtigkeit in die restlichen Zimmer gelangen kann.

Wie lüfte ich im Schlafzimmer?

Die im Schlaf ausgeatmete Luft führt schnell zu einer Erhöhung der Luftfeuchtigkeit im
Schlafzimmer, vor allem wenn dieses nicht sehr geräumig ist. Im Schlaf gibt ein Mensch in einer Nacht rund 300 g Wasser an die umgebende Luft ab. Dazu kommt noch Feuchtigkeit, die durch nächtliches Schwitzen an das Bett abgegeben wird. Da feuchte Luft Schlafprobleme verursachen kann, lüften Sie das Schlafzimmer daher gründlich nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen. Als idealer Luftfeuchtebereich werden 40% bis 60% angesehen.

Schlafzimmer
Modernes Schlafzimmer | Bild: © 2mmedia (Monika Mlynek)/Depositphotos.com

Was muss ich beim Lüften des Kellers beachten?

In Altbauten gibt es meist keine vollständige Feuchtigkeitsbarriere, sodass hohe Luftfeuchtigkeitswerte erreicht werden. Wenn der Keller zur Obst- und Gemüselagerung verwendet wird, stellt die Feuchtigkeit in den wenigsten Fällen ein Problem dar. Wenn der Keller jedoch als Wohnraum genutzt wird oder es bereits Schimmelbildung gibt, müssen Sie eine passende Lüftungstechnik finden, um die Luftfeuchtigkeit zu senken. Der Keller ist von allen Räumen der kälteste ist und häufig liegt die Temperatur hier unter den Außentemperaturen. Beim Lüften unter diesen Bedingungen strömt warme Luft ins Gebäude und kühlt sich im Keller ab. Kalte Luft kann weniger Wasser halten als warme, wodurch beim Abkühlen die relative Luftfeuchtigkeit ansteigt. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, sollten Sie vor dem Lüften immer die Luftfeuchte im Keller mit derjenigen im Freien vergleichen. Lüften sollten Sie nur, wenn die absolute Feuchte im Freien geringer ist als die im Keller. Besonders intensives Lüften ist empfehlenswert, wenn Sie den Keller zum Trocknen von Wäsche nutzen.

Lüften in Neubauten oder nach Sanierungen

Nach der Fertigstellung von Bau- oder Sanierungsprojekten verbleibt viel Feuchtigkeit in den
Wänden oder in Böden. Diese muss durch ein intensives und systematisches Lüften und Heizen nach außen abgeführt werden. Nach Empfehlungen des Verbandes Privater Bauherren muss darauf in den ersten beiden Heizperioden geachtet werden. Messen Sie die Luftfeuchtigkeit regelmäßig mit einem Hygrometer, um die Entwicklung der Luftfeuchtigkeit beobachten zu können.

Luftaustausch in gedämmten Häusern

In gedämmten Häusern sollten Sie besonders sorgfältig für einen ausreichenden Luftwechsel sorgen. Während sich in alten Häusern die Luft unkontrolliert durch Ritzen und Fugen austauschen kann, kommt in dicht gebauten Häusern nur durch ein gezieltes Lüften frische Luft in den Räume. Gut gedämmte Häuser sollten daher drei- bis viermal täglich gelüftet werden. In Passivhäusern wird das Lüften über eine Lüftungsanlage geregelt.

Richtiges Lüften im Winter

Kalte Luft kann weniger Wasser speichern als warme Luft. Beim Lüften kommt feuchtigkeitsarme Luft in die Wohnung und verliert beim Erwärmen noch mehr Feuchtigkeit. Die Folge ist trockene Raumluft. Sie sollten daher am besten dann lüften, wenn die Außentemperatur möglichst hoch ist. Zusätzlich sollten Sie nicht zu lange lüften, damit Böden und Wände nicht auskühlen. Bereits zwei- bis dreiminütiges Stoßlüften ist im Winter völlig ausreichend, um die Luft auszutauschen. Lüften Sie mehrmals täglich, jedoch nur kurz. Nachts sollten Sie die Fenster geschlossen halten.

Richtig Lüften im Sommer

Im Hochsommer ist es draußen in der Regel wärmer als in der Wohnung. Dadurch gelangt beim Lüften mehr Feuchtigkeit in die Wohnung, denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern. Probleme können auftreten, wenn morgens und abends nicht genügend gelüftet wird. Sie sollten im Sommer hauptsächlich dann lüften, wenn die Außentemperatur geringer ist als die Raumtemperatur. Nutzen Sie dafür die Nacht- bzw. Morgenkühle. Öffnen Sie die Fenster über Nacht, damit die komplette Wohnungsluft ausgetauscht werden kann.

Wann sollte man nicht lüften?

An heißen Sommertagen sollten Sie im Keller tagsüber nicht lüften, damit keine Feuchtigkeit an den kühlen Kellerwänden kondensiert. Hausbesitzer machen häufig, den Fehler, dass sie genau in diesen Tagen ihre Keller durchlüften. Türen und Fenster werden den ganzen Tag geöffnet. Dies führt jedoch nicht zu einem trockenen Keller, sondern zu „schwitzenden“ Wänden.


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